Programm

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  • Fr
    30
    Nov
    2018
    16:00Hörsaal A (UniCampus, Altes AKH)

    Vortrag von Koschka Linkerhand

    In einer Gesellschaft, in der sowohl Geschlecht als auch Arbeit immer flexibilisierter erscheinen und die Ungleichzeitigkeiten im Frauenbild augenfällig sind, hat der queere Feminismus der Vielfalt Konjunktur. Aber es bleibt ein Unbehagen: Können wir davon ausgehen, dass ein Feminismus, der fast ausschließlich mit Differenzen hantiert und sich an geschlechtlichen und sexuellen Identitäten abarbeitet, realpolitisch handlungsfähig ist? Fehlt hier nicht die Vermittlung der Vielfalt mit feministisch-materialistischer Gesellschaftstheorie, die historisch gewachsene und strukturelle Benachteiligungen erfassen kann? Dieser Mangel führt zu einer sehr verschwommenen Einschätzung des eigenen Handlungsspielraums, der zwischen Verbalradikalität à la „Patriarchat wegglitzern“ und andererseits dem Gefühl schwankt, völlig ohnmächtig zu sein und nichts mehr aussagen zu können. Es kommt aber darauf an, das bestehende Geschlechterverhältnis zu analysieren, um kritisch zu intervenieren und darüber hinaus utopisch produktiv zu sein.

     

  • Fr
    30
    Nov
    2018
    18:00Hörsaal B (UniCampus, Altes AKH)

    Vortrag von Tara Falsafi

    Begrifflich ist ein Token ein “Zeichen” eine symbolhafte Geste. Der Ursprung des Begriffes findet sich bei Martin Luther King. In einem Artikel für die New York Times beschrieb er 1962 das Konzept des Tokenismus als eine Minimalakzeptanz von schwarzen Personen in eigentlich weiß dominierten Bereichen, um die schwarze Bewegung zu besänftigen und vermeintliche Akzeptanz für Schwarze im Generellen aufzuzeigen.
    Der Begriff des Tokenismus erfuhr durch Forschungen von Roseboth Moss Kanter in den 1970er Jahren in einer Organisationsstudie eine neue Bedeutung. Token werde hier als eine Gruppe extremer Minderheiten beschrieben, wie etwa vereinzelte Frauen in klassischen Männerberufen.
    Kritisiert werden in beiden Definitionen die ausbeuterischen Verhältnisse, in denen sich die sogenannten Token befinden. Es gibt die Erkenntnis, dass Ausbeutung durch Lohnarbeit gerade Frauen und nichtweiße Personen verhäuft in besonderer Härte trifft. Doch anstatt an diese Punkte anzuknüpfen und die Netzwerke zu analysieren, in denen Rassismus, Patriarchat und Kapitalismus aufeinandertreffen, fällt die Verantwortung im queerfeministischen Spektrum durch den Begriff token-hier verwendet als Äquivalent für Alibikanakinnen ohne eigenständige Meinung- auf jene zurück, welche am meisten unter diesen Umständen zu kämpfen haben: Nicht-weiße, prekär lebende Frauen.
    Hinter diesem Konflikt steht ein politischer Kampf um öffentlichen Raum und Richtung, welchem wir uns stellen müssen. Welche Themen umfasst die “Gesamtheit” einer materialistisch- feministischen Perspektive für die Zukunft und welche Felder des Antirassismus fehlen ihr aktuell, um den Kampf um Raum und Öffentlichkeit, mit genügend Schlagkraft führen zu können?

    Redaktion, P. (2014) Editorial: Materialistischer Feminismus, PROKLA. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft, 44(174), S. 2-3
    Hennessy, Rosemary (2000): Profit and Pleasure. Sexual identities in Late Capitalism. New York/Abington

  • Fr
    30
    Nov
    2018
    19:30Hörsaal B (UniCampus, Altes AKH)

    Vortrag von Carolin Cyranski

    Die Kritische Theorie wird aufgrund der für Individuum und Gesellschaft unentrinnbaren Fatalität ihrer Analyse von verschiedenen Seiten oft als unzureichend und exkludierend kritisiert. Die eigentlich zivilisatorische Konstruktion von Geschlecht, die auch Adorno und Horkheimer betonten, bleibt dabei oft unerwähnt. In der Dialektik der Aufklärung erzwingt die gesellschaftlich-ökonomische Notwendigkeit von Männlichkeit, ein Synonym für Triebversagung und Selbstbeherrschung, ihren Gegenbegriff in Form von naturnaher Weiblichkeit. In die Frau als Verkörperung von körperlicher sowie geistiger Schwäche wird alles verlagert, was der sich selbst stets bezwingende Mann zugleich ersehnt und verachtet. Gleichzeitig wechseln sich die Furcht und Verachtung der Frau gegenüber ab. Aufbauend auf dem von Karin Stögner herausgearbeiteten Geschlechterverhältnis in der Kritischen Theorie lohnt sich hier insbesondere der Blick auf das Bild der Prostituierten in der Gesellschaft. Laut Karin Stögner besetzt die Prostituierte eine uneindeutige, sogar widersprüchliche Position zwischen Männlichkeit und Weiblichkeit. Auf dieser Grundlage kann ein vertiefender Einblick in die Dialektik des Geschlechterverhältnisses gegeben werden kann. Es wird herausgearbeitet, inwieweit die Dialektik des Subjekts Mann und der mystifizierten, naturbehafteten Frau nicht nur nebenbei erwähnte Exkurse der Kritischen Theorie, sondern der ihr zugrundeliegende Effekt zivilisatorischer Entfremdung sind.

  • Sa
    01
    Dez
    2018
    12:00Hörsaal A (UniCampus, Altes AKH)

    Vortrag von Sama Maani

    Ausgehend vom Befund, dass die traditionelle schiitisch-islamische Institution der „Ehe auf Zeit“ – oder der „Lustehe“ – in der iranischen Gesellschaft weitgehend auf Ablehnung stößt, wird das sexuelle Verhalten in der iranischen mit jener in westlichen Gesellschaften verglichen. Und die Frage untersucht, wie es kommt, dass die aktuelle Sexualmoral im Westen wie im Iran – entgegen einem weit verbreiteten Missverständnis – weniger von Hedonismus geprägt ist, denn von asketischen und narzisstischen Idealen.

    In Anlehnung an das von Freud in Totem und Tabu entwickelte Modell einer mythsichen Ur-Revolution gegen den inzestuösen Urvater, dem Verteter des 'Ur-Patriarchats', vertrete ich die These, dass politische Revolutionen zugleich immer auch sexuelle Revolutionen sind – allerdings mit der Tendenz, regelmäßig in Puritanismus und sexuelle Repression umzuschlagen.

     

  • Sa
    01
    Dez
    2018
    13:30Hörsaal A (UniCampus, Altes AKH)

    Vortrag von Merle Stöver

    Wer sich einst hoffnungsvoll unter dem Schlagwort der Intersektionalität versammelte, musste mit jener Hoffnung vor der Unmöglichkeit, Antisemitismus adäquat zu erfassen und einzubeziehen, kapitulieren. Im Vortrag wird nicht nur jene Unmöglichkeit thematisiert, sondern auch zugleich der Blick auf aktuelle Entwicklungen geworfen, die den antisemitischen Geist der Intersektionalitätsdebatten der vergangenen Jahre offenbaren. Doch die Kapitulation vor dem Antisemitismus, der als Ressentiment, politische Bewegung und Ideologie zugleich für sich beansprucht, die Welt erklären zu können, soll nicht das Ende sein: Im Anschluss soll im Vortrag diskutiert werden, inwiefern Bedingungen geschaffen werden können, um Antisemitismus zu erfassen und im Zusammenspiel mit Rassismus, Sexismus oder Klassismus zu analysieren.

  • Sa
    01
    Dez
    2018
    15:00Hörsaal A (UniCampus, Altes AKH)

    Vortrag von Käthe Knittler

    Der Vortrag gibt einen Überblick über die wichtigsten feministischen Kritikpunkte an der Marxschen Werttheorie (Hausarbeitsdebatte) und den „blinden“ Flecken der politischen Ökonomie und spannt einen Bogen bis hin zu aktuellen Debatten und Konfliktfeldern im Bereich der bezahlten und unbezahlten Care-Arbeit.

  • Sa
    01
    Dez
    2018
    16:30Hörsaal A (UniCampus, Altes AKH)

    Vortrag von TOP B3rlin

    Die autoritäre Formierung als Re-Maskulinisierung der Gesellschaft?
    Ausgehend von einer marxistisch inspirierten materialistischen Gesellschaftsanalyse, in der auch „Geschlecht“ als strukturbestimmend begriffen wird, wollen wir in unserem Vortrag zum einen darauf eingehen, inwieweit das „Männliche“ im kapitalistischen Staat ideologisch angelegt ist. Im Anschluss an diese theoretische Grundlage möchten wir aktuelle politische Entwicklungen daraufhin untersuchen, ob sie als Re –Maskulinisierung des Staates bezeichnet werden können.

  • Sa
    01
    Dez
    2018
    19:00Hörsaal C1 (UniCampus, Altes AKH)

    Materialistischer Feminismus hat den Anspruch feministische Theorien in die Kritik an den kapitalistischen Verhältnissen einzubetten und diese zusammenzudenken, denn mit dem Kapitalismus hat sich auch die strukturell männliche Herrschaft über Frauen1 verfestigt und mitttlerweile längst globalisiert. Demgegenüber steht der mittlerweile massenkompatible „Queerfeminismus“2, der offensichtlich mit den Verhältnissen Frieden geschlossenen hat. So ist die Praxis des Queerfeminismus damit beschäftigt, etliche neue Kategorien von Gender und Sexualitäten erschaffen, in denen es gilt sich wohlzufühlen, ohne die bestehenden Verhältnisse in Frage zu stellen.
    Gerade unter den derzeitigen politischen Entwicklungen, muss Feminismus aber immer auch ein Kampf gegen bestehende Verhältnisse sein. Wir müssen ökonomische Verhältnisse, regressive Ideologien und jegliche Unterdrückungsformen als solche benennen und angreifen.

    Anhand dieser Erkenntnis wollen wir uns folgende Fragen stellen: Wie drückt sich das Zusammenspiel von Rechts(-extremismus) und Antifeminismus aus? Was bedeutet konservative oder rechtsextreme Politik für die realen Lebensverhältnisse von Frauen? Wie kann Angriffen auf feministische emanzipatorische Errungenschaften entgegnet werden? Wie können feministische Kämpfe mit Kämpfen gegen Antisemitismus und Rassismus verbunden werden, ohne dabei zum Sammelbecken, aller vermeintlich Unterdrückten zu werden? Und wie kommt es, dass sich gerade antirassistische Feminist_innen häufig mit anti-emanzipatorischen Bewegungen, wie etwa der islamistischen Terrororganisation Hamas solidarisieren?

    All das wollen wir diskutieren mit Koschka Linkerhand, Merle Stöver, Viktoria Spielmann, Judith Götz und Fanny Rasul.

    1: Frauen sind für uns alle, die als solche Sexismus-Erfahrungen machen.

    2: Wir beziehen uns dabei auf die Ausformungen des Queerfeminismus, die als ein extremer Differenzfeminismus verstanden werden können: Sie zeichnen sich durch eine Grundlegende Ablehnung von Weiblichkeit und einen identitären Anspruch aus. Sprechort steht hier vor Inhalt, Betroffenheit vor Argument.

  • Sa
    01
    Dez
    2018
    21:00Mondscheingasse 11, 1070 Wien | Klub slovenskih študentk in študentov na Dunaju (KSŠŠD)

    Im Rahmen der Tagung zum materialistischen Feminismus findet eine Soli Party statt.

    Es gibt: Solicocktails und einen Infostand

    Außerdem musikalische Begleitung von: FemHoolz aus Berlin und tba

    Der Erlös geht an Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind.

    Link zum Facebook-Event: https://www.facebook.com/events/284713018815480/